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Provenienz · Hereke

Hereke-Teppich: Herkunft, Seide und was den Wert ausmacht.

Hereke steht für einige der feinsten Seidenteppiche, die je geknüpft wurden. Gleichzeitig ist „Hereke“ im Handel zu einer Stilbezeichnung geworden, die auch Teppiche aus ganz anderen Orten tragen. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Hereke einordnen und was seinen Wert bestimmt.

Von den Teppichexperten bei Teppichbewertung.de · seit 1968 im Teppichhandel · Stand: 23.10.2026

Wert vor dem Verkauf ermitteln
Fein geknüpfter Seidenteppich in Elfenbein und Hellblau
Auf einen Blick
  • Hereke ist ein Ort östlich von Istanbul, dessen Manufaktur für den osmanischen Hof gegründet wurde.
  • Der Name wird heute auch als Stilbezeichnung für feine Seidenteppiche aus anderen Orten und Ländern verwendet.
  • Eine eingeknüpfte Signatur ist ein Hinweis, aber kein Beweis für die Herkunft.
  • Den Wert bestimmen vor allem Herkunft, echte Seide, Feinheit und Zustand.
Inhalt
  1. Was ist ein Hereke-Teppich?
  2. Stammt jeder „Hereke“ aus Hereke?
  3. Woran erkenne ich einen Hereke-Teppich?
  4. Was verrät die Signatur auf einem Hereke?
  5. Ist mein Hereke aus echter Seide?
  6. Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Hereke?
  7. Gibt es antike Hereke-Teppiche?
  8. Wann lohnt sich eine Bewertung Ihres Hereke?

Was ist ein Hereke-Teppich?

Ein Hereke-Teppich ist ursprünglich ein Teppich aus der Manufaktur in Hereke, einem Ort am Golf von İzmit östlich von Istanbul, die für den osmanischen Hof gegründet wurde. Heute steht „Hereke“ zusätzlich für einen Stil sehr fein geknüpfter Teppiche, und nicht jeder Teppich mit diesem Namen stammt tatsächlich aus Hereke.

Die Manufaktur entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts unter Sultan Abdülmecid I. und fertigte zunächst Stoffe für die Ausstattung der Paläste. Im späteren 19. Jahrhundert kamen Knüpfwerkstätten hinzu. Die dort geknüpften Teppiche waren für die Paläste bestimmt und dienten auch als Geschenke des Sultans.

Die Muster greifen häufig auf klassische osmanische und persische Vorbilder zurück. Bis heute werden in Hereke und in anderen Orten der Türkei Teppiche in dieser Tradition geknüpft. In der Türkei ist Hereke als geografische Herkunftsangabe geschützt.

Stammt jeder „Hereke“ aus Hereke?

Nein. Im Handel wird „Hereke“ häufig als Qualitäts- oder Stilbezeichnung für sehr feine Teppiche verwendet, unabhängig davon, wo sie geknüpft wurden. Für die Bewertung ist das einer der wichtigsten Punkte.

Unter dem Namen begegnen Ihnen typischerweise diese Gruppen:

  • Teppiche aus Hereke selbst: in der Tradition der Manufaktur geknüpft, häufig mit eingeknüpfter Signatur.
  • Teppiche aus anderen Regionen der Türkei: im Hereke-Stil gefertigt, teils sehr fein, aber nicht aus Hereke.
  • Teppiche aus China: Seidenteppiche in Hereke-Mustern werden auch in China geknüpft, teils sehr fein und mit türkischem Knoten. Sie können handwerklich gut sein, sind aber kein Hereke im Sinne der Herkunft.
  • Teppiche aus Kunstseide und maschinelle Teppiche: Viele preiswerte Teppiche tragen Hereke-Muster oder den Namen auf dem Etikett, bestehen aber aus Viskose oder sind gewebt statt geknüpft.

Eine seriöse Bezeichnung nennt neben dem Musternamen das Herkunftsland. Steht auf Rechnung oder Etikett nur „Hereke“, ist offen, was gemeint ist. Was solche Angaben aussagen, erklären wir im Ratgeber Etikett und Zertifikat.

Woran erkenne ich einen Hereke-Teppich?

Typisch für Hereke sind eine sehr feine, präzise Zeichnung, ein kurz geschorener Flor, der symmetrische Knoten und häufig eine eingeknüpfte Signatur. Keines dieser Merkmale beweist für sich allein die Herkunft; erst zusammen ergeben sie ein stimmiges Bild.

  • Knoten: In Hereke wird traditionell der symmetrische Knoten verwendet, auch türkischer oder Gördes-Knoten genannt. Dabei wird der Florfaden um zwei benachbarte Kettfäden geschlungen. Viele persische Seidenteppiche sind dagegen mit dem asymmetrischen Knoten geknüpft.
  • Feinheit: Seiden-Hereke gehören zu den sehr fein geknüpften Teppichen. Im Handel wird die Feinheit oft als Knotenzahl angegeben, etwa „100 × 100“. Gemeint sind dann 100 Knoten auf 10 Zentimeter in der Länge und in der Breite. Solche Angaben sind ein Hinweis und sollten am Teppich überprüft werden.
  • Material: Seide auf Seide (Flor, Kette und Schuss aus Seide), Seidenflor auf Baumwolle sowie Wollteppiche auf Baumwollgrund. Bei manchen Stücken sind glänzende Metallfäden eingearbeitet.
  • Muster: Gebetsteppiche mit Nische, Medaillons, florale Ranken, Garten- und Palastmuster. Oft helle Fonds und Pastelltöne, daneben auch kräftiges Rot und Blau.
  • Formate: Seiden-Hereke sind häufig kleine Formate wie Brücken und Gebetsteppiche. Große Seidenformate sind deutlich seltener.

Für Laien ist die Rückseite der aufschlussreichste Teil: Bei einem fein geknüpften Teppich zeichnet sich das Muster dort gestochen scharf ab, die Knoten sind winzig und gleichmäßig. Weitere Grundlagen zur Feinheit finden Sie unter Knotendichte bestimmen.

Was verrät die Signatur auf einem Hereke?

Viele Hereke-Teppiche tragen eine eingeknüpfte Signatur, meist in einer kleinen Kartusche am Rand oder im Muster. Sie ist ein Hinweis auf die Herkunft, aber kein Echtheitsbeweis, denn eine Signatur lässt sich mitknüpfen wie jedes andere Motiv.

Bei der Einordnung kommt es darauf an, ob Signatur und Teppich zusammenpassen:

  • Ist die Signatur sauber und in derselben Feinheit geknüpft wie der übrige Teppich?
  • Passen Knotenart, Material und Rückseite zur angegebenen Herkunft?
  • In welcher Schrift ist die Signatur geknüpft? Die Türkei hat 1928 die lateinische Schrift eingeführt. Eine Signatur in lateinischen Buchstaben spricht deshalb für ein Stück aus der Zeit danach; ältere Signaturen sind, sofern vorhanden, in der Regel in arabischer Schrift geknüpft.

Fehlt eine Signatur, spricht das nicht automatisch gegen Hereke. Ist eine vorhanden, fotografieren Sie sie zusätzlich zu den drei Standardfotos aus der Nähe.

Ist mein Hereke aus echter Seide?

Ob ein Teppich im Hereke-Stil aus echter Seide besteht, ist neben der Herkunft der größte einzelne Wertfaktor. Viele preiswerte Teppiche mit Hereke-Muster sind aus Viskose oder merzerisierter Baumwolle geknüpft, also aus Baumwolle, die durch eine Laugenbehandlung glänzend gemacht wurde.

Hinweise auf Kunstseide sind etwa eine eher grobe Knüpfung trotz starkem Glanz, Druckstellen und verfilzte Partien schon nach kurzer Nutzung oder Bezeichnungen wie „Art Silk“ oder „Bambusseide“ auf dem Etikett. Echte Seide lässt dagegen eine sehr feine Knüpfung zu, die bei Seiden-Hereke typisch ist.

Wie Sie echte Seide erkennen und warum wir von Brennproben abraten, erklären wir ausführlich im Ratgeber Seidenteppich verkaufen. Und nicht vergessen: Auch Wollteppiche aus Hereke gibt es. Sie werden anders bewertet als Seidenstücke, sind aber keineswegs zweitrangig.

Erst den Wert kennen: Drei Fotos senden und beauftragen – die Ersteinschätzung kommt tagsüber innerhalb weniger Stunden, Ihr schriftliches Wertgutachten mit Marktwert und Wiederbeschaffungswert meist innerhalb eines Tages. Festpreis 99 €, anschließend auf Wunsch kostenlose Vermittlung an Käufer.

Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Hereke?

Der Wert eines Hereke hängt vor allem davon ab, ob er tatsächlich aus Hereke stammt, ob echte Seide verwendet wurde, wie fein er geknüpft ist und in welchem Zustand er ist. Hinzu kommen Alter, Format und Nachfrage.

  1. Herkunft: Ein Teppich aus Hereke wird anders bewertet als ein Teppich im Hereke-Stil aus einem anderen Ort oder Land, auch wenn beide fein geknüpft sind.
  2. Material: Echte Seide steigert den Wert erheblich. Kunstseide hat einen eigenen, deutlich niedrigeren Markt.
  3. Feinheit: Je feiner die Knüpfung, desto detailreicher die Zeichnung und desto höher der Arbeitsaufwand.
  4. Zeichnung und Ausführung: Symmetrische, klar gezeichnete Muster, saubere Kanten und gleichmäßige Fransen sprechen für eine gute Werkstatt.
  5. Zustand: Seide ist empfindlich. Wasserflecken, Lichtschäden, Abrieb und Knickfalten mindern den Wert deutlich.
  6. Alter: Gut erhaltene ältere Stücke aus der Frühzeit der Manufaktur sind gesucht. Die meisten Hereke im Umlauf sind jedoch jünger.
  7. Format: Große Seidenformate sind selten und entsprechend gefragt; kleine Formate sind verbreiteter.

Wie bei allen handgeknüpften Teppichen liegt der realistische Verkaufswert (Marktwert) meist deutlich unter dem Preis, den ein vergleichbarer Teppich im Fachhandel kostet (Wiederbeschaffungswert). Für einen Verkauf zählt der Marktwert, für die Hausratversicherung der Wiederbeschaffungswert. Der Kaufpreis aus dem Urlaub oder von vor vielen Jahren ist für beides kein verlässlicher Maßstab.

Gibt es antike Hereke-Teppiche?

Ja, aber sie sind selten. Gemeint sind Stücke aus der Frühzeit der Manufaktur im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert; im Handel gelten Teppiche meist ab etwa 100 Jahren als antik.

Solche Teppiche sind bei Sammlern gesucht, wenn Zustand und Qualität stimmen. Angaben wie „antiker Palast-Hereke“ sollten Sie trotzdem kritisch prüfen, denn ältere Muster werden bis heute nachgeknüpft. Ein jüngerer Teppich in einem alten Palastmuster ist kein antikes Stück.

Bei einem möglicherweise antiken Hereke ist nach der Onlinebewertung oft ein Termin vor Ort sinnvoll. Brauchen Sie ein Gutachten für ein Gericht oder einen Rechtsstreit, ist ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der richtige Ansprechpartner. Unser Wertgutachten ist eine fachkundige Bewertung erfahrener Teppichhändler, kein Sachverständigengutachten. Wann Sie welches brauchen, lesen Sie unter Teppich-Sachverständiger.

Wann lohnt sich eine Bewertung Ihres Hereke?

Eine Bewertung lohnt sich, sobald Sie verkaufen, erben, versichern oder einfach Klarheit möchten und Herkunft oder Material nicht sicher geklärt sind. Gerade beim Namen Hereke ist die Spanne zwischen einem feinen Seidenstück und einem Kunstseidenteppich mit gleichem Muster sehr groß.

Besonders sinnvoll ist eine Bewertung in diesen Fällen:

  • Sie haben einen „Hereke“ geerbt und wissen nicht, ob er aus Hereke stammt.
  • Auf Etikett oder Rechnung steht „Seide“, aber das Material wurde nie geprüft.
  • Sie möchten verkaufen und brauchen eine realistische Grundlage für die Preisverhandlung.
  • Die Hausratversicherung soll den Teppich mit dem richtigen Wert erfassen.

So gehen Sie vor:

  1. Fotos machen: die ganze Vorderseite, die ganze Rückseite und eine Nahaufnahme der Knoten. Das geht auch mit dem Handy. Eine vorhandene Signatur gern zusätzlich.
  2. Bewertung beauftragen: Anliegen wählen, Fotos hochladen, Vorname und E-Mail angeben und online beauftragen. Fotos lassen sich auch nachreichen.
  3. Wertgutachten erhalten: Die Ersteinschätzung kommt tagsüber in der Regel innerhalb weniger Stunden, das schriftliche Wertgutachten mit Marktwert und Wiederbeschaffungswert meist innerhalb eines Tages.

Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten

  • Den Namen „Hereke“ auf dem Etikett für einen Herkunftsnachweis halten.
  • Den Teppich als Seide anbieten, ohne das Material geprüft zu haben.
  • Einen Seidenteppich falten oder selbst nass reinigen.
  • Das erste Angebot annehmen, ohne den Marktwert zu kennen.

Wenn Sie verkaufen möchten, vermitteln wir auf Wunsch kostenlos an Käufer aus unserem Netzwerk und helfen beim Inserieren, ohne Provision. Unsere Bewertung hängt nicht davon ab, ob und an wen Sie verkaufen.

Sie möchten wissen, was Ihr Hereke heute wert ist? Starten Sie hier Ihre Onlinebewertung zum Festpreis von 99 €.

Von unseren Teppichexperten

Inhabergeführtes Hamburger Familienunternehmen, seit 1968 im Teppichhandel. Spezialisiert auf Orient- und Perserteppiche – wir bewerten Teppiche jeder Art, unabhängig und nachvollziehbar.

5,0 von 5 · 36 Google-Bewertungenfür unser Hamburger Fachgeschäft · Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob mein Teppich ein echter Hereke ist?

Hinweise sind eine sehr feine Knüpfung mit symmetrischem Knoten, eine passende Signatur und ein stimmiges Gesamtbild aus Material, Rückseite und Zeichnung. Ein einzelnes Merkmal reicht nicht; anhand guter Fotos lässt sich die Herkunft meist fachkundig einordnen.

Ist ein Teppich mit Hereke-Signatur automatisch echt?

Nein. Eine Signatur kann mitgeknüpft werden wie jedes andere Motiv. Entscheidend ist, ob Signatur, Knotenart, Material und Feinheit zur angegebenen Herkunft passen.

Was ist ein chinesischer Hereke?

Ein in China geknüpfter Teppich im Hereke-Stil. Er kann fein und aus echter Seide sein, stammt aber nicht aus Hereke und wird im Markt anders bewertet als ein Teppich aus Hereke.

Was bedeutet die Angabe „100 × 100“ bei einem Hereke?

Sie beschreibt die Feinheit der Knüpfung, in der Regel als Zahl der Knoten auf 10 Zentimeter in Länge und Breite. Solche Angaben auf Etiketten sollten am Teppich selbst überprüft werden.

Gibt es Hereke-Teppiche aus Wolle?

Ja. Neben Seidenteppichen werden in Hereke auch Wollteppiche geknüpft. Sie werden anders bewertet als Seidenstücke, können aber ebenfalls sehr gut gearbeitet sein.

Ist ein Hereke immer wertvoll?

Nicht unbedingt. Unter dem Namen werden auch Teppiche aus anderen Orten und aus Kunstseide angeboten. Herkunft, Material, Feinheit und Zustand entscheiden über den Wert.

Was kostet die Bewertung eines Hereke-Teppichs?

Die Onlinebewertung kostet 99 € Festpreis inkl. MwSt. und enthält eine Ersteinschätzung sowie ein schriftliches Wertgutachten mit Marktwert und Wiederbeschaffungswert. Ein Termin vor Ort ist nach Absprache für zusätzlich 149 € möglich.

Bevor Sie verkaufen: Wert kennen.

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