- Bidjar-Teppiche kommen aus der Stadt Bidjar und ihrem Umland in der Provinz Kurdistan im Westen Irans.
- Typisch sind der symmetrische Knoten, eine außergewöhnlich dichte, steife Machart und Muster wie Medaillon oder Herati.
- Wegen des festen Grundgewebes sollten Sie einen Bidjar locker rollen, nicht falten.
- Unser Wertgutachten nennt den Marktwert als realistische Preisspanne und den Wiederbeschaffungswert.
Inhalt
- Was ist ein Bidjar-Teppich?
- Woran erkenne ich einen Bidjar-Teppich?
- Welche Qualitäten und Bezeichnungen gibt es?
- Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Bidjar-Teppichs?
- Wie ist die Marktlage für Bidjar-Teppiche?
- Echt oder Nachahmung: Woran erkennt man das?
- Pflege und Zustand: Was erhält den Wert?
- Bidjar-Teppich verkaufen oder versichern – so gehen Sie vor
Was ist ein Bidjar-Teppich?
Ein Bidjar-Teppich ist ein handgeknüpfter Teppich aus der Stadt Bidjar und ihrem Umland in der Provinz Kurdistan im Westen Irans. Geknüpft wurden und werden die Teppiche überwiegend von Kurden; im Handel gelten sie als besonders schwer, fest und langlebig.
Der Name wird unterschiedlich geschrieben: Bidjar, Bijar und Bidschar meinen dieselbe Herkunft. Die Gegend um Bidjar ist auch unter ihrem historischen Namen Garrus bekannt, oft Gerous geschrieben. Dieser Name taucht im Handel als Bezeichnung für bestimmte Muster auf.
Im englischsprachigen Handel heißen Bidjar-Teppiche oft „Iron Rugs of Persia“, also „eiserne Teppiche Persiens“. Der Beiname spielt auf ihre außergewöhnlich dichte und steife Machart an. Ältere Stücke aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind bei Sammlern und Einrichtern gefragt. Neuere Bidjar-Teppiche sind vor allem solide, sehr strapazierfähige Gebrauchsteppiche.
Woran erkenne ich einen Bidjar-Teppich?
Einen Bidjar erkennen Sie vor allem an seinem Gewicht und seiner Steifigkeit: Er ist deutlich schwerer als ein gleich großer Teppich vieler anderer Herkünfte und lässt sich nur mit Mühe biegen. Dazu kommen kräftige Farben und eine klare, oft dichte Musterung.
- Machart: Beim Knüpfen werden die Schussfäden unter starkem Zug eingetragen und die Knotenreihen mit einem schweren Werkzeug kräftig angeschlagen. Kette und Schuss sind die Längs- und Querfäden des Grundgewebes, in das die Knoten eingeknüpft werden. Durch diese Verdichtung entsteht das typische, fast brettartige Gewebe.
- Knoten: In Bidjar wird der symmetrische, türkische Knoten geknüpft.
- Material: Der Flor besteht aus Wolle. Ältere Stücke haben häufig ein Grundgewebe aus Wolle, neuere meist Kette und Schuss aus Baumwolle. Seide spielt beim Bidjar kaum eine Rolle.
- Muster: Verbreitet ist ein Medaillon mit Eckstücken, wobei das übrige Feld manchmal frei bleibt. Ebenso typisch ist das Herati-Muster, auch Mahi- oder Fischmuster genannt: ein kleinteiliges Rautengitter aus Rosetten und lanzettförmigen Blättern, das den ganzen Fond überzieht. Der Fond ist die Grundfläche des Innenfelds. Mit dem Namen Garrus verbindet der Handel vor allem Muster aus Arabesken und großen Blüten.
- Farben: Typisch sind Tiefrot, Dunkelblau und Elfenbein, dazu Akzente in Grün, Gelb oder Braun. Manche Stücke haben einen einfarbig roten oder gelblichen Fond.
- Flor und Gewicht: Kurzer bis mittelhoher, sehr dicht gepackter Flor. Ein Bidjar liegt schwer und flach auf dem Boden.
- Formate: Von kleineren Stücken, im Handel „Brücken“ genannt, über Läufer bis zu großen Raumformaten.
Eine Besonderheit sind sogenannte Vagirehs: kleine Musterteppiche, auf denen Ausschnitte mehrerer Muster und Bordüren als Vorlage für die Knüpfer zusammengefasst sind. Aus der Region Bidjar sind solche Musterstücke häufig erhalten; sie können auch für Sammler interessant sein.
Typische Fehler bei der Einordnung
- Jeden Teppich mit Herati-Muster für einen Bidjar halten. Das Muster ist in vielen Provenienzen verbreitet, etwa bei fein geknüpften Teppichen aus Täbris.
- Einen Bidjar wie einen gewöhnlichen Teppich falten, um ihn zu fotografieren oder zu transportieren.
- Das hohe Gewicht für einen Mangel halten – beim Bidjar ist es ein typisches Merkmal.
- Ein altes Etikett oder eine Rechnung mit der Aufschrift „Bidjar“ als sicheren Beleg für Herkunft und Alter nehmen.
- Die Maße schätzen statt messen: Für die Bewertung zählen Länge und Breite ohne Fransen.
Welche Qualitäten und Bezeichnungen gibt es?
Unter dem Namen Bidjar fasst der Handel Teppiche aus der Stadt, aus den Dörfern der Umgebung und aus unterschiedlichen Zeiten zusammen. Einige Bezeichnungen begegnen Ihnen dabei besonders häufig:
- Bidjar, Bijar oder Bidschar: die allgemeine Bezeichnung für Teppiche aus der Stadt und ihrem Umland. Alle Schreibweisen sind gebräuchlich.
- Garrus oder Gerous: verweist auf die historische Region um Bidjar und wird im Handel meist für Stücke mit Arabesken- und Blütenmustern verwendet. Gerade bei älteren Teppichen ist die Zuordnung nicht immer eindeutig.
- Kurdische Dorfteppiche der Region: Viele Teppiche aus den Dörfern rund um Bidjar sind einfacher gezeichnet als die Stücke aus der Stadt, aber ebenfalls fest und robust.
- Bidjar-Design aus anderen Ländern: Das Muster wird auch außerhalb Irans nachgeknüpft, etwa in Indien. Solche Teppiche sind meist leichter und weniger fest als ein Bidjar aus der Region.
Wie bei vielen Provenienzen ist die Zuordnung im Handel nicht einheitlich. Entscheidend ist deshalb nicht das Etikett, sondern was der Teppich tatsächlich zeigt: Machart, Material, Farben, Alter und Zustand.
Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Bidjar-Teppichs?
Bei einem Bidjar zählen vor allem Alter, Farbqualität, Zeichnung und Zustand. Weil die Teppiche sehr robust gebaut sind, sind auch ältere Stücke oft noch gut erhalten – umso genauer kommt es auf den Zustand im Einzelnen an.
- Alter: Ältere Stücke, insbesondere aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, sind gefragter als neuere Produktion. Im Handel gelten Teppiche meist ab etwa 100 Jahren als antik.
- Farben: Klare, tiefe Farben, wie sie mit Naturfarbstoffen entstehen, sind geschätzt. Ausgeblutete oder stark verblasste Farben mindern den Wert.
- Zeichnung: Eine klare, ausgewogene Zeichnung – ob Medaillon, Herati oder Garrus-Muster – spricht Käufer besonders an.
- Zustand des Grundgewebes: Beim Bidjar besonders wichtig. Durch Falten können im steifen Gewebe Knickstellen oder Brüche entstehen, die aufwendig zu reparieren sind.
- Flor und Kanten: Abgelaufener Flor, Mottenschäden, Löcher, beschädigte Kanten und fehlende Fransen senken den Wert.
- Größe: Gängige Wohnformate und Läufer sind leichter verkäuflich als sehr ungewöhnliche Maße.
- Restaurierungen: Fachgerechte Reparaturen sind meist unproblematisch, unsaubere Flickstellen oder nachgefärbte Bereiche dagegen ein Minus.
Ob Sie verkaufen oder versichern, macht einen Unterschied. Der Marktwert ist der Preis, den Ihr Teppich heute beim Verkauf realistisch erzielt, der Wiederbeschaffungswert der Preis eines vergleichbaren Teppichs heute im Fachhandel – maßgeblich für die Hausratversicherung. Allgemeine Hintergründe finden Sie im Ratgeber Was ist mein Perserteppich wert?
Erst den Wert kennen: Drei Fotos senden und beauftragen – Ihr Wertgutachten als PDF mit Steckbrief, Marktwert als Preisspanne, Wiederbeschaffungswert und Empfehlung erhalten Sie meist innerhalb eines Tages. Festpreis 99 € je Teppich, anschließend auf Wunsch kostenlose Vermittlung an Käufer.
Wie ist die Marktlage für Bidjar-Teppiche?
Gut erhaltene ältere Bidjar-Teppiche mit schönen Farben finden auch heute interessierte Käufer, während neuere Gebrauchsware zurückhaltender gehandelt wird. Pauschale Aussagen lassen sich trotzdem kaum treffen, denn die Spanne zwischen einem einfachen Dorfteppich und einem fein gezeichneten alten Stück ist groß.
Zwei Dinge sollten Sie wissen: Händler und Ankäufer bieten in der Regel weniger, weil sie selbst weiterverkaufen müssen. Und ein alter Kaufbeleg hilft nur begrenzt weiter, denn der Preis von damals sagt wenig über den Wert von heute. Mehr dazu im Ratgeber Alter Kaufpreis in DM.
Echt oder Nachahmung: Woran erkennt man das?
Das Bidjar-Muster wird nachgeknüpft und auch maschinell gewebt; der Name allein sagt deshalb wenig über die Herkunft. Beim Bidjar ist die Machart selbst ein guter erster Hinweis.
- Gewicht und Festigkeit: Ein Bidjar aus der Region ist schwer und steif. Ein leichter, weicher Teppich mit Bidjar-Muster stammt eher aus anderer Produktion.
- Rückseite: Handgeknüpfte Teppiche zeigen das Muster auf der Rückseite deutlich, die Knoten sind leicht unregelmäßig. Ein vollkommen gleichmäßiges Raster oder eine Beschichtung sprechen für Maschinenware.
- Fransen: Echte Fransen sind die Enden der Kettfäden. Angenähte Fransen sind ein Warnzeichen.
- Abrash: Leichte, streifige Farbabweichungen im Fond entstehen durch unterschiedliche Färbepartien der Wolle und sind bei handgeknüpften Teppichen häufig. Sie sind kein Fehler. Fehlen sie, ist das allein aber kein Beweis für eine Nachahmung.
Ob ein Teppich ein alter Bidjar, eine neuere Produktion oder ein Stück im Bidjar-Design ist, lässt sich ohne Erfahrung kaum sicher beurteilen. Weitere Hinweise finden Sie im Ratgeber echten Perserteppich erkennen.
Pflege und Zustand: Was erhält den Wert?
Ein Bidjar verträgt den Alltag sehr gut – empfindlich ist er vor allem beim Falten. Rollen Sie ihn für Transport und Lagerung locker auf, mit dem Flor nach innen, und knicken Sie ihn nicht.
- Regelmäßig in Florrichtung saugen, also in der Richtung, in der der Flor glatt liegt, und gelegentlich auch die Rückseite absaugen, um Motten vorzubeugen.
- Stellen unter Möbeln und in dunklen Ecken kontrollieren – dort fühlen sich Motten wohl.
- Den Teppich hin und wieder drehen, damit er gleichmäßig abnutzt und ausbleicht.
- Flüssigkeiten umgehend mit einem saugfähigen Tuch abtupfen, nicht reiben. Hartnäckige Flecken gehören in eine Fachwäscherei.
- Für die Wäsche einen Fachbetrieb wählen; keine Haushalts- oder Dampfreiniger verwenden.
- Trocken und luftig lagern, nicht im feuchten Keller oder in der Garage. Mehr dazu im Ratgeber Teppich lagern und vor Motten schützen.
Vor einem Verkauf gilt: Absaugen und Lüften genügen meist. Bei wertvollen, stark verschmutzten Teppichen kann eine fachgerechte Teppichwäsche sinnvoll sein – ob sie sich lohnt, steht in der Empfehlung Ihres Wertgutachtens.
Bidjar-Teppich verkaufen oder versichern – so gehen Sie vor
Klären Sie zuerst, ob Sie verkaufen, versichern oder ein Erbe aufteilen möchten – davon hängt ab, welcher Wert für Sie zählt. Haben Sie den Teppich geerbt, finden Sie weitere Hinweise unter Teppich geerbt.
- Fotos machen: die ganze Vorderseite, die ganze Rückseite und eine Nahaufnahme der Knoten auf der Rückseite (etwa 10 × 10 cm, gern mit Lineal daneben). Für die Rückseite schwere Teppiche zur Hälfte umschlagen und beide Hälften fotografieren – beim Bidjar in einem weiten Bogen, ohne Knick.
- Maße notieren: Länge und Breite ohne Fransen.
- Bewertung beauftragen: Unsere Onlinebewertung kostet 99 € Festpreis je Teppich inkl. MwSt. Ihr Wertgutachten als PDF enthält einen Steckbrief mit Herkunft, Alter, Knüpfart und geschätzter Knotendichte, Material, Design und Muster, dazu Zustand, Marktwert als realistische Preisspanne, Wiederbeschaffungswert und eine Empfehlung – für den Verkauf mit Preisempfehlung und fertigem Inseratstext.
- Nächste Schritte entscheiden: Auf Wunsch vermitteln wir Ihren Teppich kostenlos an Käufer aus unserem Netzwerk und helfen beim Inserieren – ohne Provision.
Nach Eingang prüfen wir Ihre Fotos; fehlt etwas, melden wir uns. Ihr Wertgutachten erhalten Sie meist innerhalb eines Tages per E-Mail. Bei sehr großen Formaten, antiken Stücken oder mehreren Teppichen kann danach ein Termin vor Ort sinnvoll sein; diesen stimmen wir per E-Mail mit Ihnen ab. Die Vor-Ort-Bewertung kostet zusätzlich 149 €.
Unser Wertgutachten ist eine fachkundige Bewertung erfahrener Teppichhändler, kein Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Für Verkauf und die Einigung unter Erben ist es eine gute Grundlage; ob eine Versicherung, ein Finanzamt oder ein Gericht es anerkennt, entscheiden diese im Einzelfall.
Möchten Sie wissen, was Ihr Bidjar heute wert ist? Bewertung starten – drei Fotos, 99 € Festpreis je Teppich.
Inhabergeführtes Hamburger Familienunternehmen, seit 1968 im Teppichhandel. Spezialisiert auf Orient- und Perserteppiche – wir bewerten Teppiche jeder Art, unabhängig und nachvollziehbar.
Häufige Fragen
Was ist ein Bidjar-Teppich wert?
Das hängt vor allem von Alter, Farben, Zeichnung und Zustand ab. Eine Pauschale pro Quadratmeter gibt es nicht; gut erhaltene ältere Stücke werden deutlich höher gehandelt als neuere Gebrauchsteppiche oder Teppiche im Bidjar-Design.
Warum ist mein Bidjar so schwer und steif?
Beim Bidjar werden Schussfäden und Knotenreihen beim Knüpfen besonders fest verdichtet. Das macht ihn schwer und steif – ein typisches Merkmal und kein Mangel.
Darf man einen Bidjar-Teppich falten?
Besser nicht. Das sehr feste Grundgewebe kann durch Knicken Schaden nehmen. Rollen Sie den Teppich für Transport und Lagerung locker auf, mit dem Flor nach innen.
Bidjar, Bijar oder Bidschar – was ist richtig?
Alle drei Schreibweisen sind gebräuchlich und meinen dieselbe Herkunft: die Stadt Bidjar und ihr Umland in der Provinz Kurdistan im Westen Irans.
Was bedeutet Garrus bei einem Bidjar?
Garrus, oft auch Gerous geschrieben, ist der historische Name der Gegend um Bidjar. Im Handel bezeichnet er meist Stücke mit Arabesken- und Blütenmustern; die Zuordnung ist nicht immer einheitlich.
Muss ein großer Bidjar vor Ort bewertet werden?
Nein. Der erste Schritt ist immer die Onlinebewertung mit drei Fotos. Ist danach ein Termin vor Ort sinnvoll, stimmen wir ihn per E-Mail ab; er kostet zusätzlich 149 €.
Helfen Sie mir beim Verkauf meines Bidjar?
Ja, auf Wunsch vermitteln wir ihn kostenlos an Käufer aus unserem Netzwerk und helfen beim Inserieren, ohne Provision. Unsere Bewertung hängt nicht davon ab, ob und an wen Sie verkaufen.