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Provenienz · Turkmenen

Turkmenischer Teppich: Stämme, Göls und was er heute wert ist.

Turkmenische Teppiche stammen aus der Knüpftradition der Turkmenen in Zentralasien und sind an ihren Göls zu erkennen, achteckigen Ornamenten in Reihen. Im Handel heißen viele von ihnen „Buchara“. Hier lesen Sie, wie Sie Stamm, Alter und Machart einordnen und was den Wert bestimmt.

Von den Teppichexperten bei Teppichbewertung.de · seit 1968 im Teppichhandel · Stand: 25.10.2026

Wert meines Teppichs ermitteln
Hände beim Knüpfen eines Teppichs am Webstuhl
Auf einen Blick
  • Turkmenische Teppiche stehen in der Tradition turkmenischer Stämme wie Tekke, Yomud, Ersari, Saryk und Salor.
  • Typisch sind Göls auf meist rotem Grund, ein überwiegend asymmetrischer Knoten und bei älteren Stücken ein Grundgewebe ganz aus Wolle.
  • „Buchara“ ist ein Handelsname für dieses Muster; entscheidend für den Wert sind Gruppe, Alter, Farben und Zustand.
  • Unser Wertgutachten nennt den Marktwert als realistische Preisspanne und den Wiederbeschaffungswert.
Inhalt
  1. Was ist ein turkmenischer Teppich?
  2. Woran erkenne ich einen turkmenischen Teppich?
  3. Welche Stücke und Bezeichnungen gibt es?
  4. Welche Faktoren bestimmen den Wert eines turkmenischen Teppichs?
  5. Wie ist die Marktlage für turkmenische Teppiche?
  6. Echt oder Nachahmung: Was heißt das beim turkmenischen Teppich?
  7. Pflege und Zustand: Was erhält den Wert?
  8. Turkmenischen Teppich verkaufen oder versichern – so gehen Sie vor

Was ist ein turkmenischer Teppich?

Ein turkmenischer Teppich ist ein handgeknüpfter Teppich aus der Tradition der Turkmenen, eines Turkvolks in Zentralasien. Typisch sind geometrische Muster aus Göls auf meist rotem Grund und eine dichte Knüpfung, bei älteren Stücken fast immer ganz aus Wolle.

Die Turkmenen lebten lange als Nomaden und Halbnomaden, vor allem im Gebiet des heutigen Turkmenistan sowie in angrenzenden Regionen Irans, Afghanistans und Usbekistans. Für ihre Zelte knüpften sie Hauptteppiche, Türbehänge, Taschen und Schmuckbehänge. Geknüpft wurde meist von Frauen, oft mit Wolle aus den eigenen Herden.

Im europäischen Handel wurden diese Teppiche lange nach dem Marktplatz benannt, über den viele in den Westen kamen: Buchara. Der Name ist bis heute verbreitet, bezeichnet aber eher ein Muster als eine Herkunft – mehr dazu im Ratgeber Buchara-Teppich. Die traditionelle Teppichknüpfkunst in Turkmenistan steht seit 2019 auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Woran erkenne ich einen turkmenischen Teppich?

Einen turkmenischen Teppich erkennen Sie an den Göls: meist achteckigen Ornamenten, die in Reihen über ein überwiegend rotes Feld verteilt sind. Ein zentrales Medaillon wie bei vielen persischen Teppichen gibt es nicht.

  • Göl: Das Wort leitet sich vom persischen Wort für Blume ab. Viele Göl-Formen werden bestimmten Stämmen zugeordnet und gelten als Stammeszeichen; manche wurden aber auch von mehreren Gruppen verwendet. Zwischen den großen Haupt-Göls stehen oft kleinere Neben-Göls.
  • Farben: Rot dominiert – von hellem Rot über Kirsch- bis Braunrot, traditionell mit Krapp gefärbt, einer Färberpflanze. Dazu kommen Dunkelblau, Braun und Elfenbein, bei manchen Stücken kleine Akzente aus Seide. Der Fond, also die Grundfläche des Innenfelds, wirkt dadurch ruhig und warm.
  • Knoten: Überwiegend wird der asymmetrische Knoten geknüpft. Bei Yomud und Saryk kommt auch der symmetrische Knoten vor; die Knotenart kann deshalb bei der Zuordnung helfen.
  • Material: Ältere Stücke sind meist ganz aus Wolle, also Flor sowie Kette und Schuss – die Längs- und Querfäden des Grundgewebes. Manche Stämme verwendeten Baumwolle im Schuss; neuere Exportware hat häufig ein Grundgewebe aus Baumwolle.
  • Flor: Kurz und dicht; ältere Stücke fühlen sich oft weich und geschmeidig an.
  • Formate: Der Hauptteppich des Zeltes hat meist ein mittleres Wohnformat. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Stücke wie Taschen und Behänge.

Die wichtigsten Stämme im Überblick

  • Tekke: Im 19. Jahrhundert der vorherrschende Stamm in den Oasen um Merw und Tedschen. Typisch ist der Tekke-Göl in regelmäßigen Reihen; aus dem Hauptteppich der Tekke ist das bekannte „Buchara“-Muster hervorgegangen. Geknüpft meist mit dem asymmetrischen Knoten.
  • Yomud: Lebten zu einem großen Teil im Nordosten Irans. Ihre Teppiche zeigen eine größere Vielfalt an Göl-Formen, etwa den Kepse-Göl, und sind teils symmetrisch geknüpft. Bekannt sind ihre Asmalyks, fünfeckige Behänge für das Kamel im Hochzeitszug.
  • Ersari: Heute vor allem im Norden Afghanistans und in Usbekistan ansässig. Ihre Teppiche sind meist gröber geknüpft und haben große Göls; das im Handel „Elefantenfuß“ genannte Motiv geht auf ihre Hauptteppiche zurück. Viele Ersari-Teppiche werden als „Afghan“ gehandelt.
  • Saryk und Salor: Ihre Teppiche ähneln auf den ersten Blick den Tekke-Stücken, zeigen aber eigene Göl-Formen. Ältere Saryk- und Salor-Stücke sind selten und vor allem für Sammler interessant.
  • Tschaudor und Arabatschi: kleinere, verstreut lebende Gruppen mit eigenen Mustern.

Die sichere Zuordnung zu einem Stamm ist eine Aufgabe für Fachleute: Göl-Formen wurden teils geteilt, und Muster haben sich im Lauf der Zeit vermischt.

Typische Fehler bei der Einordnung

  • Jeden roten Teppich mit Göls für einen alten Stammesteppich halten. Das Muster wird seit Jahrzehnten in Pakistan, Afghanistan und anderswo in großer Zahl geknüpft.
  • „Buchara“ auf dem Etikett für eine Herkunftsangabe halten.
  • Alte Taschen oder Fragmente als wertlos aussortieren, weil sie klein oder beschädigt sind.
  • Die Maße schätzen statt messen: Für die Bewertung zählen Länge und Breite ohne Fransen.

Welche Stücke und Bezeichnungen gibt es?

Die Turkmenen knüpften nicht nur Teppiche für den Boden, sondern eine ganze Reihe von Stücken für das Leben im Zelt. Diese Begriffe begegnen Ihnen im Handel besonders häufig:

  • Hauptteppich: der große Bodenteppich des Zeltes und meist das aufwendigste Stück eines Stammes.
  • Engsi: der geknüpfte Türbehang des Zeltes.
  • Tschowal und Torba: große beziehungsweise kleinere, flache Taschen zum Aufbewahren von Kleidung und Vorräten im Zelt. Häufig ist nur die geknüpfte Vorderseite erhalten.
  • Asmalyk: fünfeckiger Kamelbehang, paarweise für den Hochzeitszug geknüpft, vor allem von den Yomud bekannt.

Unter „turkmenisch“ werden außerdem neuere Teppiche angeboten: aus Turkmenistan selbst, wo im 20. Jahrhundert auch in Fabriken und Werkstätten geknüpft wurde, aus dem Norden Afghanistans und aus dem Nordosten Irans, im deutschen Handel teils als „Turkaman“ bezeichnet. Teppiche mit Göl-Muster aus Pakistan greifen die Musterwelt auf, sind aber Werkstattware ohne Stammesbezug.

Welche Faktoren bestimmen den Wert eines turkmenischen Teppichs?

Den Wert bestimmt zuerst die Frage, ob es sich um ein älteres Stammesstück oder um neuere Produktion handelt. Danach zählen Stamm, Farben, Knüpfung und Zustand.

  1. Alter und Gruppe: Ältere Stammesstücke, vor allem aus dem 19. Jahrhundert, sind ein eigenes Sammelgebiet und werden ganz anders gehandelt als neuere Ware. Im Handel gelten Teppiche meist ab etwa 100 Jahren als antik.
  2. Stamm: Seltene Gruppen und Stücke, die sich klar zuordnen lassen, sind für Sammler interessanter.
  3. Farben: Naturfarben mit tiefem, ruhigem Rot sind geschätzt. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden neben Naturfarben zunehmend synthetische Farbstoffe verwendet; das kann bei der Datierung helfen. Ausgeblutete oder nachgefärbte Farben mindern den Wert.
  4. Knüpfung und Zeichnung: Eine feine, dichte Knüpfung mit sauber gezeichneten Göls ist ein Qualitätsmerkmal.
  5. Zustand: Abgelaufener Flor, Mottenschäden, Löcher und beschädigte Kanten senken den Wert.
  6. Format: Bei Sammlerstücken können auch kleine Formate wie Taschen oder Behänge gefragt sein. Bei Gebrauchsteppichen sind gängige Wohnformate leichter verkäuflich.

Wichtig für Sie: Der Marktwert ist der Preis, den Ihr Teppich heute beim Verkauf realistisch erzielt, der Wiederbeschaffungswert der Preis eines vergleichbaren Teppichs heute im Fachhandel – maßgeblich für die Hausratversicherung. Einen Überblick über alle Teppicharten gibt der Ratgeber Was ist mein Teppich wert?

Erst den Wert kennen: Drei Fotos senden und beauftragen – Ihr Wertgutachten als PDF mit Steckbrief, Marktwert als Preisspanne, Wiederbeschaffungswert und Empfehlung erhalten Sie meist innerhalb eines Tages. Festpreis 99 € je Teppich, anschließend auf Wunsch kostenlose Vermittlung an Käufer.

Wie ist die Marktlage für turkmenische Teppiche?

Ältere turkmenische Stammesstücke haben einen eigenen Sammlermarkt, auf dem Alter, Stamm und Zustand stark ins Gewicht fallen. Neuere Teppiche mit Göl-Muster sind dagegen in großer Zahl vorhanden und werden als Gebrauchsteppiche gehandelt.

Händler und Ankäufer bieten in der Regel weniger, weil sie selbst weiterverkaufen müssen. Gerade bei unscheinbaren alten Taschen oder Fragmenten lohnt es sich, den Wert zu kennen, bevor etwas weggegeben wird.

Echt oder Nachahmung: Was heißt das beim turkmenischen Teppich?

Auch hier geht es meist um die richtige Einordnung: Ein neuerer Teppich mit Göl-Muster ist keine Fälschung, aber eben kein alter Stammesteppich. Daneben gibt es maschinell gewebte Teppiche mit Göl-Muster.

  • Handgeknüpft oder maschinell: Bei Handarbeit ist das Muster auf der Rückseite deutlich zu sehen, die Knoten sind leicht unregelmäßig. Ein vollkommen gleichmäßiges Raster oder eine Beschichtung sprechen für Maschinenware.
  • Grundgewebe: Ein Grundgewebe ganz aus Wolle spricht eher für ein älteres Stück, eine Baumwollkette eher für neuere Produktion. Ein Beweis ist beides nicht.
  • Künstliche Alterung: Es kommt vor, dass neuere Teppiche durch Bleichen oder starkes Abscheren älter wirken sollen. Ungewöhnlich gleichmäßige Abnutzung kann ein Hinweis darauf sein.
  • Fransen: Echte Fransen sind die Enden der Kettfäden. Angenähte Fransen sind ein Warnzeichen.

Allgemeine Prüfschritte für handgeknüpfte Teppiche finden Sie im Ratgeber echten Perserteppich erkennen.

Pflege und Zustand: Was erhält den Wert?

Ein turkmenischer Teppich behält seinen Wert am besten, wenn er vor Motten, Feuchtigkeit und starker Sonne geschützt wird. Da ältere Stücke oft ganz aus Wolle bestehen, sollten Sie besonders auf Motten achten.

  • Regelmäßig in Florrichtung saugen, also in der Richtung, in der der Flor glatt liegt, und gelegentlich auch die Rückseite absaugen.
  • Direkte Sonne vermeiden und den Teppich ab und zu drehen, damit er gleichmäßig ausbleicht.
  • Flüssigkeiten umgehend mit einem saugfähigen Tuch abtupfen, nicht reiben. Bei Seide oder Seidenanteil kein Wasser verwenden; hartnäckige Flecken gehören in eine Fachwäscherei.
  • Für die Wäsche einen Fachbetrieb wählen, der die Farbechtheit vorher prüft.
  • Taschen und Behänge nicht an Nägeln aufhängen, sondern schonend befestigen oder flach lagern. Mehr dazu im Ratgeber Teppich lagern und vor Motten schützen.

Vor einem Verkauf gilt: Reparaturen oder Reinigung nicht überstürzen. Absaugen und Lüften genügen meist; ob sich ein Eingriff lohnt, steht in der Empfehlung Ihres Wertgutachtens.

Turkmenischen Teppich verkaufen oder versichern – so gehen Sie vor

Klären Sie zuerst, ob Sie verkaufen, versichern oder ein Erbe aufteilen möchten – davon hängt ab, welcher Wert für Sie zählt. Wenn Sie den Teppich geerbt haben, finden Sie weitere Hinweise unter Teppich geerbt.

  1. Fotos machen: die ganze Vorderseite, die ganze Rückseite und eine Nahaufnahme der Knoten auf der Rückseite (etwa 10 × 10 cm, gern mit Lineal daneben). Das gilt auch für Taschen und Behänge.
  2. Maße notieren: Länge und Breite ohne Fransen.
  3. Mehrere Stücke: Für jeden Teppich starten Sie eine eigene Bewertung zu 99 €, auch für jede Tasche und jeden Behang.
  4. Bewertung beauftragen: Unsere Onlinebewertung kostet 99 € Festpreis je Teppich inkl. MwSt. Ihr Wertgutachten als PDF enthält einen Steckbrief mit Herkunft, Alter, Knüpfart und geschätzter Knotendichte, Material, Design und Muster, dazu Zustand, Marktwert als realistische Preisspanne, Wiederbeschaffungswert und eine Empfehlung – für den Verkauf mit Preisempfehlung und fertigem Inseratstext.
  5. Nächste Schritte entscheiden: Auf Wunsch vermitteln wir Ihren Teppich kostenlos an Käufer aus unserem Netzwerk und helfen beim Inserieren – ohne Provision.

Nach Eingang prüfen wir Ihre Fotos; fehlt etwas, melden wir uns. Ihr Wertgutachten erhalten Sie meist innerhalb eines Tages per E-Mail. Bei antiken Stücken oder mehreren Teppichen kann danach ein Termin vor Ort sinnvoll sein; diesen stimmen wir per E-Mail mit Ihnen ab. Die Vor-Ort-Bewertung kostet zusätzlich 149 €.

Unser Wertgutachten ist eine fachkundige Bewertung erfahrener Teppichhändler, kein Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Für Verkauf und die Einigung unter Erben ist es eine gute Grundlage; ob eine Versicherung, ein Finanzamt oder ein Gericht es anerkennt, entscheiden diese im Einzelfall.

Möchten Sie wissen, was Ihr turkmenischer Teppich heute wert ist? Bewertung starten – drei Fotos, 99 € Festpreis je Teppich.

Von unseren Teppichexperten

Inhabergeführtes Hamburger Familienunternehmen, seit 1968 im Teppichhandel. Spezialisiert auf Orient- und Perserteppiche – wir bewerten Teppiche jeder Art, unabhängig und nachvollziehbar.

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Häufige Fragen

Was ist ein turkmenischer Teppich wert?

Das hängt vor allem davon ab, ob es sich um ein älteres Stammesstück oder um neuere Produktion handelt. Danach zählen Stamm, Farben, Knüpfung und Zustand; eine Pauschale pro Quadratmeter gibt es nicht.

Ist ein turkmenischer Teppich dasselbe wie ein Buchara?

Nicht ganz. „Buchara“ ist ein Handelsname für Teppiche mit turkmenischem Göl-Muster. Darunter werden alte turkmenische Stücke ebenso angeboten wie neuere Ware aus Pakistan oder Afghanistan.

Woran erkenne ich, von welchem Stamm mein Teppich ist?

Hinweise geben die Form der Göls, die Farben, die Knotenart und das Material. Weil manche Göl-Formen von mehreren Gruppen verwendet wurden, ist eine sichere Zuordnung aber Sache von Fachleuten.

Was ist ein Göl?

Ein Göl ist ein meist achteckiges Ornament, das in Reihen über das Feld wiederholt wird. Viele Göl-Formen gelten als Zeichen bestimmter turkmenischer Stämme; das Wort leitet sich vom persischen Wort für Blume ab.

Was sind Tschowal, Torba und Asmalyk?

Tschowal und Torba sind geknüpfte Taschen, in denen im Zelt Kleidung und Vorräte aufbewahrt wurden. Ein Asmalyk ist ein fünfeckiger Kamelbehang für den Hochzeitszug, vor allem von den Yomud bekannt.

Ist ein turkmenischer Teppich ein Perserteppich?

Im engeren Sinn nicht. Turkmenische Teppiche stehen in der Tradition der Turkmenen in Zentralasien und gehören allgemein zu den Orientteppichen, auch wenn ein Teil von ihnen im Nordosten Irans geknüpft wurde.

Helfen Sie mir beim Verkauf meines turkmenischen Teppichs?

Ja, auf Wunsch vermitteln wir ihn kostenlos an Käufer aus unserem Netzwerk und helfen beim Inserieren, ohne Provision. Unsere Bewertung hängt nicht davon ab, ob und an wen Sie verkaufen.

Erst den Wert kennen. Dann entscheiden.

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